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Warum Sie eine Löffelliste haben sollten

Können Sie sich daran erinnern, wie Sie als Kind zu Weihnachten eine Wunschliste geschrieben haben? Eine Liste mit »Dingen«, die Sie sich sehnlichst wünschten? Heute schieben viele Menschen Ihre Wünsche beiseite, weil Sie sich dafür keine Zeit nehmen, weil andere Dinge immer wichtiger sind.

Häufig höre ich solche Aussagen, wie: »Wenn ich Urlaub habe, dann gehe ich mal wieder in die Sauna.« Oder: »Wenn ich in Rente bin, dann werde ich mit meiner Frau mehr reisen.« Geht es Ihnen auch manchmal so, dass Sie das Leben auf später verschieben und jetzt einfach nur funktionieren und das tun, was von Ihnen erwartet wird? Dabei verlieren viele Menschen Ihre Freude, Ihre Begeisterung und auch Ihre Energie.

Es existiert ein untrügliches Signal, das uns zeigt, ob wir unser Leben in der richtigen Weise leben, ob wir uns tatsächlich auf die Dinge fokussieren, die für uns gleichermaßen wichtig wie wesentlich sind. Dabei handelt es sich um unsere natürliche Freude. Sie signalisiert uns: »Hey, du! Ja, hier entlang. Du bist in der richtigen Richtung unterwegs.«

Diese Richtung liegt auf unserem Herzensweg, der erst entsteht, wenn wir der Spur unseres Herzens folgen. Dabei kann unsere »natürliche Freude« ganz unterschiedlich entstehen: mal als eine eher stille Freude und kaum wahrnehmbar, mal als regelrechte Freudenexplosion, sichtbar für uns und andere.

Unseren Herzensweg haben wir selbst in der Hand, können ihn täglich einschlagen, beinahe ständig anpassen – es liegt ganz bei uns. Dabei soll sich das, wofür Sie sich entscheiden und was Sie tun, in erster Linie für Sie gut anfühlen. Dabei hilft Ihnen eine Löffelliste, die Sie selbst erstellen können und die ich Ihnen nun vorstellen möchte.

Kennen Sie den Film Das Beste kommt zum Schluss? Er handelt von zwei sehr ungleichen Freunden, die sich auf der Krebsstation eines Krankenhauses kennenlernen und beide vereint eine Lebenserwartung von nur noch 6 Monaten. Einer der beiden hat eine Liste von Dingen angelegt, die er noch unbedingt erreichen möchte, bevor er den Löffel abgibt (Bucket List). Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, um gewissermaßen auf den letzten Drücker das Leben zu leben, das noch auf ihrer »Löffelliste« steht.

Wie fühlt sich für Sie die Vorstellung an, von dieser Welt zu gehen, ohne das eine oder andere noch getan oder erlebt zu haben, das Ihnen wirklich am Herzen liegt? Nicht gerade erfreulich, richtig?

Ich möchte Sie einladen, Ihre ganz persönliche Löffelliste zu erstellen. Sie muss ja nicht direkt 30 Punkte umfassen, sondern kann ganz übersichtlich beginnen und mit der Zeit durchaus auch anwachsen. Alles, was es braucht, ist ein Zettel, ein Stift und etwas Zeit und Ruhe.

Inspirationen für Ihre eigene Löffelliste

Lassen Sie Ihren Verstand los. Geben Sie sich die Freiheit, über jene Dinge nachzudenken, die Sie schon immer gerne einmal sehen, machen oder erleben wollten. Und dann schreiben sie alle diese Punkte auf.

Als Inspiration finden Sie hier einige Beispiele:

  1. Einen Kochkurs machen
  2. Stricken oder nähen lernen
  3. Alle Landeshauptstädte Europas besuchen
  4. Schwedisch lernen
  5. Einmal erster Klasse fliegen (oder der Umwelt zuliebe, erste Klasse mit der Bahn reisen – Anmerkung der Redaktion)
  6. Salsa tanzen lernen
  7. Saxophon spielen lernen
  8. Segeln, Surfen, Wasserski fahren
  9. Ein eigenes Café eröffnen
  10. Ein Buch veröffentlichen
  11. Die Nacht durchmachen und den Sonnenuntergang ansehen
  12. Einen Zen-Tempel in Japan besuchen
  13. Den Jakobsweg laufen
  14. An einer Brandung sitzen, den Wellen lauschen und den Moment genießen
  15. Etwas Interessantes über seine Vorfahren herausfinden
  16. Meditieren lernen
  17. Jemandem vergeben
  18. Einen armen Menschen auf eine warme Mahlzeit einladen
  19. Einen Brunnen in Afrika bauen
  20. Einem Menschen helfen, das eigene Leben zu verändern
  21. Einer alten Oma über die Straße helfen
  22. Blut spenden
  23. Sich für den Tierschutz einsetzen
  24. Neue Restaurants ausprobieren
  25. Einen Yogakurs besuchen

Die Löffelliste kann auch ganz andere Dinge beinhalten wie beispielsweise:

Freunde einladen

Die Zeit mit Menschen, die Ihnen wichtig sind, ist mit nichts anderem aufzuwiegen. Laden Sie doch einmal im Monat Freunde zu sich nach Hause ein. Es wird gekocht, gegessen, getrunken und viel gelacht. Um Freude zu spüren, brauchen wir Menschen, die uns lieben und die wir lieben. Fertig.

Traditionen schaffen

Weihnachten, Silvester, Hochzeit, Taufe und so fort. Wir Menschen lieben Rituale und Traditionen. »Das machen wir immer so«, »Das gehört sich so «hören wir nur allzu oft. Warum nur mit den eingefahrenen Traditionen arbeiten und nicht neue schaffen? Schaffen Sie neue Traditionen mit Ihrem Partner, Ihrer Familie, Ihren Freunden, ganz abseits der normalen Traditionstrampelpfade.

Kontakt wiederherstellen

Es gibt sie in jedem Freundeskreis oder in jeder Familie: Beziehungen, die lose geworden sind. Menschen, die das Leben verlassen haben.

Bei manchen Menschen ist das vielleicht in Ordnung und es soll wohl so sein, dass die Wege auseinandergehen. Manchmal tut es uns aber leid. Wenn es in Ihrem Leben solche Menschen gibt, dann geben Sie sich einen Ruck. Vermutlich freuen sie oder er sich, wenn Sie sich melden.

Erlebnisse schenken

Bereits in den letzten Jahren habe ich schrittweise aufgehört, Menschen mit irgendwelchen Dingen zu beschenken. Ich schenke nur noch Erlebnisse und gemeinsame Zeit. Es besitzt mehr Wert, bleibt immer bestehen, kann mir und dem Beschenkten niemand nehmen. Beginnen Sie damit, den Menschen, die Ihnen am Herzen liegen, Erlebnisse zu schenken.

Wieder so richtig Kind sein

Vermutlich wird Ihnen sofort etwas einfallen, was Sie als Kind heiß geliebt haben. Ein Spiel, ein Hobby, eine Tätigkeit, einfach irgendetwas, das Sie als Kind gerne gemacht haben und womit Sie irgendwann aufgehört haben. Weil Sie ja erwachsen geworden sind. Lassen Sie das wieder aufleben. Vielleicht auch klamm, still und heimlich. Seien Sie einfach, wenn auch nur für einen Augenblick, wieder Kind.

Ein Tag ohne Handy

Hier braucht es keiner weiteren Beschreibung. Für manche Menschen ist allein der Gedanke daran der ultimative Albtraum, für andere das Paradies auf Erden. Auch wenn es Ihnen undenkbar vorkommt, lassen Sie sich auch mal auf den absurdesten aller Gedanken ein: nämlich tatsächlich 24 Stunden lang kein Mobiltelefon zu benutzen.

Sorgen Sie gut für sich

Planen Sie Dinge in Ihren Alltag ein, die Ihnen Freude bereiten und Ihnen guttun. Vielleicht ist es der gemütliche Saunaabend oder die abendliche Joggingrunde.

Dabei handelt es sich lediglich nur um einige Ideen und vermutlich fallen Ihnen ganz andere Dinge ein, die auf Ihrer Löffelliste nicht fehlen sollten. Wichtig dabei ist, dass Sie schnellstmöglich mit dieser Liste beginnen und vor allem, diese Punkte auch umsetzen.

Entscheiden Sie sich für eine Sache, die Sie in dieser Woche unternehmen können, um in Bewegung zu kommen. Wählen Sie dann 12 Punkte für dieses Jahr aus und planen Sie diese in Ihrem Kalender ein.

Schnappen Sie sich ein paar Ihrer besten Freunde, oder andere Menschen, die Ihnen nahestehen, und bilden eine Löffellisten-Gruppe, die sich einmal pro Monat trifft, sich gegenseitig hilft und motiviert. Diese Gruppe sorgt außerdem dafür, dass es nicht nur »eine ganz nette Idee« bleibt.

Stellen Sie sich einen Moment lang Ihre Freude vor, die sich einstellt, wenn Sie Punkte von Ihrer Liste als »erlebt« oder »getan« streichen können. Es ist ein wunderbares Gefühl!

Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen ganz viel Freude mit Ihrer ganz persönlichen Löffelliste – lassen Sie Ihr Herz sprechen und trauen Sie sich in IHR Leben!

(c) Melanie Kohl: Power auf Dauer: Das Geheimnis für mehr Energie, Achtsamkeit und Erfolg, 1. Auflage, S. 285 -290, Wiley-VCH Verlag, 2019

Buch-Idee

Power auf Dauer
Das Geheimnis für mehr Energie, Achtsamkeit und Erfolg
Melanie Kohl
Taschenbuch, 248 Seiten
Wiley-VCH Verlag, 2019
€ 19,99 [D]

Film-Idee

Das Beste kommt zum Schluss von Rob Reiner, 2007

Melanie Kohl ist Expertin für die Themen gesunde Leistungsfähigkeit und psychische Gesundheit. Ihre Leidenschaft ist es, Menschen dabei zu unterstützen, produktiver, energiegeladener und gleichzeitig entspannter zu arbeiten. Außerdem vermittelt sie Techniken, wie jeder seinen eigenen Akku dauerhaft aufladen kann und mit voller Energie seine persönlichen Ziele erreicht. Der von ihr entwickelte Coaching-Ansatz Body Resourcing kultiviert die Fähigkeit, seinen eigenen Körper als größte Kraftquelle zu nutzen. Sie verbindet dabei Methoden aus den Bereichen der emotionalen Intelligenz, der Achtsamkeit sowie dem High-Performance-Coaching, um innere Kräfte zu aktivieren und alte dysfunktionale Glaubenssätze abzulegen.