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Positiv formulieren nach der 3:1-Formel und sich besser fühlen

Falls Sie zu jenen Menschen zählen, die abends – vielleicht während des Abendessens – ihrem Partner von den Erlebnissen des Arbeitstages erzählen, dann sollten Sie darauf achten, in welcher Weise Sie darüber berichten. Bei den meisten Menschen klingt es in etwa so: »Mensch ich hatte heute wieder einen Tag. Bei mir ist alles schiefgegangen, eine richtige Katastrophe.« »Ehrlich? Bei mir war’ s auch so. Nichts hat heute geklappt«, antwortet möglicherweise daraufhin der Partner.

Verhält es sich bei Ihnen ähnlich? Wenn ja, wie fühlen Sie sich dann? Es entwickelt sich eine gewisse negative Stimmung, so eine Art Negativspirale, aus der man nur schwer wieder herauskommt oder anders ausgedrückt: Beide Gesprächspartner ziehen sich dadurch herunter, fühlen sich wahrscheinlich sogar genervt und niedergeschlagen, weil sie in diesem Moment die negativen Erlebnisse des Tages förmlich erneut erleben, wenn sie darüber sprechen.

Ähnliche Situationen erleben wir auch im Job, wenn in Gesprächen oder Besprechungen Worte und Sätze wie »Nein«, »das klappt nicht«, »das geht so nicht« oder »das haben wir schon immer so gemacht und es hat nie funktioniert« den größten Gesprächsanteil einnehmen.

Wir tendieren zu einem durch und durch negativen Wortschatz – zu einer negativen Sprache. Dabei findet jedoch auch eine sogenannte Bahnung – auch Priming genannt – statt, das bedeutet wiederum, unsere Gesprächspartner verbinden mit der Zeit dieses Sprachmuster mit uns und leiten davon wiederum unsere persönliche Einstellung zu bestimmten Themen ab. Nicht nur das, auch wir selbst orientieren uns unbewusst an unseren Sprachmustern. Wer also häufig negativ redet, wird auch weniger Positives erreichen, eben weil man von seiner negativen Sprache beeinflusst wird.

Wenn wir also einen positiven Eindruck erwecken wollen oder wenn selbst eine lösungsorientierte Vorgehensweise wichtig ist, sollten wir negative Sprachmuster unbedingt vermeiden.

Die Wissenschaftlerin Barbara Fredrickson hat bewiesen, dass die Balance zwischen positiven und negativen Emotionen einen erheblichen Einfluss darauf hat, welche Lösungsräume wir erkennen und welche Energien wir freisetzen können.

Positive Kommunikation bewirkt also positive Gefühle und gleichzeitig auch positive Emotionen. Diese produzieren in unserem Gehirn einen schönen Mix aus Dopamin und Serotonin, weshalb wir weitaus stärker Freude, Erstaunen, Hoffnung, Offenheit oder Liebe empfinden. Diese Gefühle wiederum erlauben es den Beteiligten, mit einer viel größeren Aufmerksamkeit am Geschehen teilzunehmen und gleichzeitig vielmehr vom großen Ganzen zu überblicken. Daraus entwickelt sich Kreativität, die schließlich entsprechende Potenziale freisetzt.

Wiederholte Erfolge können dann Ressourcen und Reserven bilden, auf die man in Stresszeiten und Powerphasen zurückgreifen kann. Bezogen auf das vorhin genannte Beispiel mit dem Abendessen sollten Sie Ihren Partner das nächste Mal fragen, welche tollen Erlebnisse er an diesem Tag erlebte. Sie werden feststellen, diese Kommunikation führt sofort zu einer positiven Grundstimmung.

Negative Reize lösen unweigerlich auch körperliche (verkrampfte) Reaktionen aus. Diese führen dazu, dass keine weitreichenden, freien Gedanken mehr möglich sind und wir uns völlig erschöpft fühlen.

Die Faustregel, die Barbara Fredrickson und ihre Wissenschaftskollegen in ihren Forschungen herausfanden, lautet 3:1 für positive Kommunikation. Wer also drei Mal mehr positive Emotionen empfindet als negative, der besitzt gute Chancen, sich allgemein besser zu fühlen und bessere Lösungen zu entwickeln. Für Teams bedeutet diese Erkenntnis, Menschen arbeiten dann produktiver, wenn positives Verhalten und positive Kommunikation mindestens um das Dreifache überwiegt.

Bei Ehepaaren fand man übrigens heraus, dass die Scheidungswahrscheinlichkeit ansteigt, je mehr eine negative Kommunikation herrscht.

Es liegt daher in unserer Hand, wie wir von anderen Personen wahrgenommen werden oder welchen Fokus wir auf diese Welt legen. Aus diesem Grund sollten Sie folgende zwei Regeln für eine positive Kommunikation beachten:

1. Sprechen Sie häufiger über jene Dinge, die gut gelaufen sind.

2. Starten Sie ein Meeting mit Erfolgsmeldungen und versuchen Sie grundsätzlich positive Aspekte stärker herauszuheben.

(c) Melanie Kohl: Power auf Dauer: Das Geheimnis für mehr Energie, Achtsamkeit und Erfolg, 1. Auflage, S. 158-160, Wiley-VCH Verlag, 2019

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Melanie Kohl ist Expertin für die Themen gesunde Leistungsfähigkeit und psychische Gesundheit. Ihre Leidenschaft ist es, Menschen dabei zu unterstützen, produktiver, energiegeladener und gleichzeitig entspannter zu arbeiten. Außerdem vermittelt sie Techniken, wie jeder seinen eigenen Akku dauerhaft aufladen kann und mit voller Energie seine persönlichen Ziele erreicht. Der von ihr entwickelte Coaching-Ansatz Body Resourcing kultiviert die Fähigkeit, seinen eigenen Körper als größte Kraftquelle zu nutzen. Sie verbindet dabei Methoden aus den Bereichen der emotionalen Intelligenz, der Achtsamkeit sowie dem High-Performance-Coaching, um innere Kräfte zu aktivieren und alte dysfunktionale Glaubenssätze abzulegen.