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Die Kraft der positiven Sprache

Positiv, Bild: Pixabay

Wertschätzende Kommunikation drückt sich auch über die Sprache aus, über das Wording. „Ein Wort gleicht der Biene, es hat Honig und Stachel.“ So steht es im Talmud, der uralten Sammlung der Gesetze und religiösen Überlieferungen des Judentums.

Wir können mit Worten streicheln und verletzen, verwöhnen und schlagen.

Kinder sind da besonders sensibel. An ihren Verhaltens- und Wirkungsweisen lässt sich gut darstellen, was es mit der positiven Kommunikation auf sich hat. Erst neulich schwärmte ein Bekannter, der selbst in der Kommunikationsbranche tätig ist, von den großen Fähigkeiten seiner Frau, mit der fünfjährigen Tochter umzugehen. Anstatt ihr zu befehlen „Du darfst den Rasen nicht betreten!“ sagt sie in einem ruhigen und gefassten Ton zu ihr: „Bitte gehe außen herum.“ Ein Beispiel dafür, Dinge positiv zu formulieren statt negativ. Und die Chancen steigen, dass das Kind nicht über den Rasen läuft, sondern außen herum.

Mit positiver Sprache erreichen wir unseren Gesprächspartner sehr viel besser und eindringlicher, sie klingt gewissermaßen nach. Machen Sie sich den Unterschied zwischen kooperierenden und konfrontierenden Formulierungen bewusst. Die folgenden Ausdrücke und Sätze haben negative Konnotationen:

  • Dafür bin ich nicht zuständig.
  • Es gibt ein kleines Problem.
  • Diese Aufgabe ist zu aufwendig.
  • Das können wir nicht machen.
  • Heute klappt es leider nicht mehr.
  • Sie haben mich missverstanden.
  • Frau Mayer ist leider nicht erreichbar.
  • Bei diesem Projekt haben wir Verzögerungen.
  • Erlauben Sie mir folgende Kritik …
  • Unsere Konkurrenz schläft nicht.

Wie lauten sie, wenn Sie sie positiv formulieren?

Ich erinnere mich gut an eine Situation nach einem Vortrag: Viele Wochen hatte ich mich auf ein schwieriges Thema vorbereitet, meine Keynote auf der Bühne sehr gut vorgebracht und viel Applaus geerntet. Mit diesem prickelnden Gefühl des Erfolgs ging ich dann ab, wo mich der Veranstalter erwartete und mir mit den Worten „Nicht schlecht!“ die Hand reichte. Ich spüre noch heute, dass sich das wie ein Tritt in die Magengrube anfühlte und im ersten Moment die beflügelnden Emotionen zunichtemachte. „Jedes Wort hinterlässt eine Spur.“ So hat es die deutsche Lyrikerin Anke Maggauer-Kirsche gesagt. Und es stimmt:

Wenn Sie etwas wertschätzend und positiv formulieren, können Sie viel eher etwas erreichen, zu etwas motivieren und mobilisieren.

Positive Worte – und die Gedanken, die dahinterstehen – gestalten ein anderes Verhalten als negative Formulierungen. Das Gesagte wird dann eher als Chance, Neuheit und Lernerfahrung verstanden – anstatt als Belastung, Hindernis oder Rückschlag. Auch wenn es etwas Übung braucht: Gewöhnen Sie es sich an, sich mit positiven Denk- und Ausdrucksweisen zu äußern. Eine Weile werden Sie sich dabei ertappen, dass Sie etwas Negatives sagen – und es wird Sie zunehmend selbst stören. „Worte und Gedanken haben Wirkung auf uns, unsere Energie und unser Verhalten“, sagt Klaus Pertl, für den Worte immer auch Richtungsweiser für das Gehirn sind. Mit negativen Worten bewegen wir uns weg vom Ziel, es raubt uns Motivation und Selbstvertrauen; positiver Input hingegen richtet uns auf ein Ziel hin aus – das ist ermutigend (Pertl 2014).

Um sich mitzuteilen und sich mit anderen zu verständigen, kann eine identische Ausgangssituation sowohl positiv als auch negativ formuliert werden. Anstatt vorschnell etwas nach außen zu geben, stellen Sie sich erst die Frage: „Was brauche oder was möchte ich gerade?“ Die Antwort darauf ermöglicht es Ihnen, den ursprünglichen Satz in Ihrem Kopf umzuwandeln. Wenn Sie zum Beispiel gerade genervt sind, dann könnte die positive Umformulierung heißen: „Ich brauche jetzt unbedingt eine Pause, um mich wieder zu erholen und zu beruhigen.“ Schauen Sie sich diese weiteren Beispiele (Pertl 2014) an und probieren Sie es mit eigenen Sätzen einmal aus:

  • Ich habe ein Problem vs. Ich benötige eine Lösung.
  • Ich habe Angst vs. Ich brauche mehr Sicherheit.
  • Ich kann es nicht vs. Ich lerne es noch.
  • Ich bin erschöpft vs. Ich wünsche mir Energie.

„Ein Wort gleicht der Biene,
es hat Honig und Stachel.“

Aus dem Talmud

Dies ist ein Textauszug aus dem Buch Frauenpower von Antje Heimsoeth

Frauenpower
Mentale Stärke für Frauen
Antje Heimsoeth
Taschenbuch, 266 Seiten
Springer Verlag, 2018
€ 19,99 [D]

Kommentar von Anette Rößler

Dieses Buch ist große Klasse – die Themen darin, die Verknüpfungen, die Praxistipps, die bestärkenden Worte sowie großartige Frauen! Kurzum: Erkenntnisreich und unterhaltsam. Einfach wunderbar und empfehlenswert!

Antje Heimsoeth ist eine der bekanntesten Mental Coaches im deutschsprachigen Raum. Sie ist „Deutschlands renommierteste Motivationstrainerin“ (FOCUS), „Vortragsrednerin des Jahres 2014“, „Top 100 Erfolgstrainer“ (Magazin ERFOLG) und Expertin zu den Themen mentale und emotionale Stärke, Motivation und Selbstführung. Ihr Know-how beruht auf Praxiserfahrungen, die durch wissenschaftliche Impulse stets untermauert werden.