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Was wir von Kurt Tucholsky lernen können

Über Widersprüche

Der Vorteil der Klugheit besteht darin,
dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

Dumme und Gescheite unterscheiden sich dadurch,
dass der Dumme immer dieselben Fehler macht
und der Gescheite immer neue.

Menschen miteinander gibt es nicht.
Es gibt nur Menschen, die herrschen,
und solche, die beherrscht werden.

Es gibt viel Lärm, aber es gibt nur eine Stille.

Der eigene Hund macht keinen Lärm
– er bellt nur.

Das ist schön,
mit jemandem schweigen zu können.

Erfahrung heißt gar nichts.
Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen.

Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter,
als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden
und LAUT zu sagen: Nein!

Im übrigen gilt ja hier derjenige,
der auf den Schmutz hinweist,
für viel gefährlicher als der,
der den Schmutz macht.

Das ärgerliche am Ärger ist,
dass man sich schadet,
ohne anderen zu nützen.

Ist dir noch nicht aufgefallen,
wie viel Frechheit durch Unsicherheit zu erklären ist?

Wenn ein Mensch ein Loch sieht,
hat er das Bestreben,
es auszufüllen.
Dabei fällt er meistens hinein.
Wenn wir einmal nicht grausam sind,
dann glauben wir gleich,
wir seien gut.

Die Basis einer gesunden Ordnung ist ein großer Papierkorb.

Volkswirtschaft ist der Zeitpunkt,
an dem die Leute anfangen,
darüber nachzudenken,
warum sie so wenig Geld haben.

Das Volk versteht das meiste falsch,
aber es fühlt das meiste richtig.

Über Deutschland

Deutschlands Schicksal:
Vor dem Schalter zu stehen.
Deutschlands Ideal:
Hinter dem Schalter zu sitzen.

Zur Heirat gehören mehr als nur vier nackte Beine im Bett.

Über Religion

Ich mag mich nicht gern mit der Kirche auseinandersetzen;
es hat ja keinen Sinn,
mit einer Anschauungsweise zu diskutieren,
die sich strafrechtlich hat schützen lassen.

Die Katholiken sitzen vor ihrer Hütte.
Ein Heide geht vorbei und pfeift sich eins.
Die Katholiken tuscheln:
‚Der wird sich schön wundern, wenn er stirbt!‘
Sie klopfen sich auf den Bauch ihrer Frömmigkeit,
denn sie haben einen Fahrschein,
der Heide aber hat keinen,
und er weiß es nicht einmal.
Wie hochmütig kann Demut sein!

Das Christentum ist eine gewaltige Macht.
Dass zum Beispiel protestantische Missionare aus Asien
unbekehrt wieder nach Hause kommen
– das ist eine große Leistung.

Was die Kirche nicht verbieten kann,
das segnet sie.

Über Journalismus

Der geschickte Journalist hat eine Waffe: das Totschweigen
– und von dieser Waffe macht er oft genug Gebrauch.

Nähme man den Zeitungen den Fettdruck weg,
um wie viel stiller wäre es auf der Welt.

Überschrift eines demokratischen Leitartikels: Jein!

Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist,
für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.


Weitere Journalismus-Zitate:

Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen, damit gewisse Leute nicht die Freiheit haben, alles zu tun.
(Alain Peyrefitte)

Füße sind das wichtigste Werkzeug des Fotografen.
(Thomas Hoepker, dt. Reportage-Fotograf)

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.
(Fred Barnard)

Buch-Idee

Dürfen darf man alles: Lebensweisheiten von Kurt Tucholsky

„Denn wo käme man hin, wenn man in sich ginge.“

dtv Verlag:

Mit spitzer Feder brachte Kurt Tucholsky, einer der meistgelesenen Schriftsteller und Zeitkritiker der Weimarer Republik, Glossen und Satiren, kabarettistische Szenen, Lyrik und Chansons zu Papier. Gegen das korrupte Spießertum und die Beamtenschaft, gegen bürgerliche Lethargie und die Justiz.

„In jeder Zeit sitzt einer und hat sie bis zum Hals herauf satt.“

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