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Was gibt‘ s zu Weihnachten? – mit Buchtipp zur Rosa-Hellblau-Falle

Blütenmeer aus rosa Blütenblättern

Wenn es um Geschenke für Kinder geht, sind die Schenkenden nicht gerade kreativ: Glückwunschkarten zur Geburt eines Kindes sind entweder rosa oder blau. Und wer nicht weiß, was er oder sie dem kleinen Knopf schenken soll, muss sich nur die Verpackung anschauen. Sie zeigt, für wen das Geschenk gedacht ist und erleichtert so die Wahl. Oder die freundliche Verkäuferin. Sie fragt: Soll’s denn was für ein Mädchen oder einen Jungen sein? Die rosa-blaue Kinderwelt trennt noch vor der Geburt in Mädchen und Jungen – Klischees inklusive.

Für Marketer zählt die Kategorie Geschlecht, weil in einer Überflussgesellschaft so neue, geschlechtsspezifische Bedürfnisse geschaffen werden können. Gleichzeitig reduziert die Farbe rosa oder blau die Komplexität des Alltags. Eltern treffen ihre Kaufentscheidung schneller: Prinzessin Lillifee, das Trampolin-Modell „Rocketgirl“ oder die „Die drei !!! – Detektivgeschichten für clevere Mädchen“ für die eine Hälfte. Bob der Baumeister, der „Rocketboy“ und die „Die drei ???“ für die andere. Wenn alles seine Zu-Ordnung hat, vermittelt das eine gewisse Sicherheit. Offensichtlich.

Bei Kindern geht der Gesetzgeber von einem besonderen Schutzbedürfnis aus. Deshalb darf hier nicht für Alkohol und Tabak geworben werden. Doch wie wirkt es sich aus, wenn Kinder ständig von klischeebesetzten Spielsachen umgeben sind? Sie wählen wahrscheinlich später einen Beruf, der „typisch“ für ihr Geschlecht ist – ohne andere Möglichkeiten wahrzunehmen. Oder sie bedienen das Klischee vom „Heimeligen Luxusweibchen und aufstrebendem Alphamännchen“ wie Studienleiterin Marion Büttgen das Ergebnis ihrer Studie der Uni Hohenheim zusammenfasste. Sie beklagt, dass noch immer klischeehafte Rollenbilder Karriereentscheidungen beeinflussen.

Wenn Jungen und Mädchen die gleichen Startchancen für ihr Berufsleben haben sollen, sollten keine Klischees verpackt unterm Weihnachtsbaum liegen.

Buch-Idee

Die Rosa-Hellblau-Falle. Für eine Kindheit ohne Rollenklischees

Die Rosa-Hellblau-Falle.
Für eine Kindheit ohne Rollenklischees
Almut Schnerring und Sascha Verlan
Antje Kunstmann Verlag, 2014
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
€ 16,95 [D]

Welches Spielzeug ich persönlich für sinnvoll halte – und jedes Kind haben sollte. Das ist Spielzeug, das sich teils von Klein auf und lange bespielen lässt:

  • Autos
  • Bälle
  • Kuscheltier, (Hand-)Puppe
  • Spielzeug zum Bauen: Duplo & Lego, Murmelbahn, (magnetische) Bausteine, Spielzeugeisenbahn
  • Spielzeug für Draußen: Sandelsachen, Straßenkreide, Laufrad & Co, Springseil …
  • Entdecker-Spielzeug : Lupe, Fernglas, Taschenlampe …
  • Alles zum Malen, Basteln und Kreativ-sein: Malbücher, Knete, Kartons, Tafel, Sticker …
  • Alles zum Musik machen: Mundharmonika, Trommel, Xylophon …
  • Etwas zum Rollenspielen: Kinderküche, Kaufladen, Zeug zum Verkleiden und in eine Rolle schlüpfen wie Masken, Taschen und natürlich Tücher und Kleidung
  • Bücher, Rätselhefte und was sonst noch gelesen werden kann
  • Brettspiele

Wenn wir Spielzeug für unsere Kinder auswählen, dann meist bewusst aus dem Denken heraus, dass das etwas ist, mit dem das Kind seinen Horizont möglichst positiv erweitert. Dazu passen folgende Zitate.

Zitate von Maria Montessori:

„Was nicht in den Sinnen war,
kommt nicht in den Verstand.“

„Begreifen kommt von Greifen.“

„Das Kind begreift,
indem es sich bewegt.“

Weitere Buch-Idee

Wenn Kinder spielen, lernen sie. Deshalb passt dieser Bestseller sehr gut, wenn es um die Erfahrungswelt der Kinder geht. Das Buch fragt schließlich:

  • Was soll ein Kind in den ersten sieben Lebensjahren erfahren haben, können, wissen?
  • Womit sollte es zumindest in Berührung gekommen sein?

Allerdings geht es in dem Buch weniger um konkrete Spielsachen, mit denen Kinder die Welt begreifen können. Die Autorin hat vielmehr auf Grundlage von Befragungen eine Wunschliste zusammengestellt. Eine Wunschliste mit Fertigkeiten und Kompetenzen, die ein Kind zumindest einmal ausprobiert haben soll, zum Beispiel einen Streit aus zwei Positionen erzählen.

Weltwissen der Siebenjährigen.
Wie Kinder die Welt entdecken können
Donata Elschenbroich
Goldmann Verlag, 2002
Taschenbuch: 288 Seiten
€ 9,99 [D]

Anette Rößler liebt es, viel zu wissen. Bücher sowie guter Journalismus waren daher schon immer ihre Leidenschaft. Mit dem Internet lässt sich Wissen gut vernetzen, aber auch als unerschöpfliche Wissensquelle nutzen und teilen. Die Themen Natur und Nachhaltigkeit, Ernährung und Sport, Gesellschaft und Politik, Medien, Kommunikation und Digitalisierung liegen der Diplom-Sozialwissenschaftlerin und Diplom-Journalistin (FJS) am Herzen. Anette Rößler hat zwei Kinder.

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