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Wanderroute: Harmersbacher Vesperweg

Harmersbacher Vesperweg

Für Familien und Gaumenfreunde ist der Premiumweg „Harmersbacher Vesperweg“ eine gute Ausflugs-Idee. Denn auf dem Wanderweg ist für reichlich Proviant gesorgt. Trekking-Fan und Outdoor-Blogger David Wolf von wanderwütig war bei der offiziellen Eröffnung des „Harmersbachers Vesperweg“ im Mai 2017 dabei . Hier lest ihr seinen Reisebericht.

Während ich das hier schreibe, beiße ich genüsslich in eine fein geräucherte Vesperwurst von Markus Schwarz. Dem kernigen Schwarzwälder gehört Danises Hofladen mit angeschlossener Probierstube in Oberharmersbach. Hier kann man den Schwarzwald schmecken und sich kulinarisch einstimmen auf die rund 14 Kilometer lange Wanderung auf dem „Harmersbacher Vesperweg“. Der Name des neuen Premiumwanderwegs ist Programm; er reiht sich nun ein in die Liste der bereits bestehenden 33 sogenannten Schwarzwälder Genießerpfade. Markus Schwarz‘ Hofladen ist die erste Station, auf der sich Wanderer mit typischen Schwarzwälder Spezialitäten für ausgedehnte Vesperpausen eindecken können.

Harmersbacher Vesperweg, Bild: wanderwütig

Harmersbacher Vesperweg, Bild: wanderwütig

Proviant gibt’s in Danises Hofladen

Das Konzept des „Harmersbacher Vesperwegs“ ist einfach erklärt: wandern und genießen. Während der Blick weit über die Wipfel des Schwarzwalds bis hinüber zu den Vogesen schweift, lässt man sich Schwarzwälder Schinken, Rohwürste und das eine oder andere Stamperl Schwarzwälder Kirschwasser oder Zibärtli schmecken. Ein Brand aus wilder Mirabelle, die in dieser Gegend schon im Mittelalter heimisch war.

Ich bin begeistert vom Angebot, das Markus Schwarz in seinem Hofladen offeriert und beginne eifrig zu fotografieren. Das entgeht dem Inhaber natürlich nicht und er fragt, ob ich von der Presse sei. „So etwas Ähnliches“, sage ich. „Blogger.“ Gedankenschnell sagt Schwarz: „Kommen Sie mal mit“, und führt mich hinter der Verkaufstheke herum in seine Räucherkammer.

Ich staune nicht schlecht, als er die schwere Tür des Räucherschranks öffnet und sich vor mir die ganze kulinarische Pracht des Schwarzwalds offenbart: Schwarzwälder Schinken, akkurat nebeneinander aufgereiht. Rauch entweicht der Kammer und hüllt mich mit typischem Räucheraroma ein. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Einfach fantastisch für einen Hobby-Kulinariker wie mich.

Die Wandergruppe zieht weiter, während Markus Schwarz mir noch schnell zwei Paar Rohwürste zusteckt. „Die schenke ich Ihnen“, sagt er. Als Gegenleistung versichere ich ihm, ihn und seinen Hofladen in meinem Blog-Artikel zu erwähnen. Wie ihr lest, habe ich Wort gehalten.

Der Weg führt weiter über sanfte, jetzt im Mai sattgrüne Wiesenhänge, bis zum „Brunnenhisli“, auf Hochdeutsch Brunnenhäuschen. Hier lagern in einem in Fels eingehauenen Holzregal kühle Getränke für Durstige, die man gegen einen kleinen Obulus erwerben kann.

Harmersbacher Vesperweg, Bild: wanderwütig

„Brunnenhisli“ mit Getränken auf dem Harmersbacher Vesperweg, Bild: wanderwütig

Die Erfinder des „Harmersbacher Vesperwegs“ haben sich Kreatives einfallen lassen, um den Wanderern Gelegenheiten zum Ausruhen und Genießen zu ermöglichen. Eine davon ist ein 30 Meter langer Baumstamm, in den verschiedene Sitzmöglichkeiten eingearbeitet wurden. Hier lässt es sich bei bester Aussicht auf das Harmersbachtal bequem vespern.

Harmersbacher Vesperweg, Bild: wanderwütig

Kreative Sitzgelegenheit mit Aussicht auf dem Harmersbacher Vesperweg, Bild: wanderwütig


Harmersbacher Vesperweg, Bild: wanderwütig

Harmersbacher Vesperweg, Bild: wanderwütig

Für wen sich der Wanderweg eignet

Den „Harmersbacher Vesperweg“ empfehle ich Genusswanderern, die weniger die sportliche Herausforderung suchen, sondern vom Alltag abschalten und die Seele baumeln lassen wollen.

Auch Familien mit Kindern fühlen sich hier sicher wohl, denn die Forstwege lassen sich ohne Schwierigkeiten meistern. Zumal die Erbauer des „Vesperwegs“ ab und an auch an eine spielerische Abwechslung am Wegesrand gedacht haben.

Harmersbacher Vesperweg, Bild: wanderwütig

Vesperplatz mit Aussicht auf dem Harmersbacher Vesperweg, Bild: wanderwütig


„… hock mol uf de Arsch no!“- übersetzt soviel wie: „Setz dich mal auf deinen Po!“, Bild: wanderwütig


Harmersbacher Vesperweg, Bild: wanderwütig

Sitzgelegenheiten auf dem Harmersbacher Vesperweg, Bild: wanderwütig

Romantisch wird es weiter oben Richtung Regeleskopf am sogenannten „Schmusehisli“. Ja, wieder so ein alemannischer Ausdruck. Ihr habt die Übersetzung schon parat? Richtig. Es handelt sich dieses Mal um ein Schmusehäuschen. Ein liebevoll mit Vorhängen ausgestattetes Häuschen mit einer ergonomischen Sitzbank zum Chillen. Für Zwei, versteht sich. Obwohl ich niemand zum Schmusen dabei habe, teste ich diese Sitzgelegenheit kurz und lasse mich auch gleich mal ablichten. Ich erahne den grandiosen Weitblick, den man hier hat – wäre, ja wäre es wolkenlos.

Harmersbacher Vesperweg, Bild: wanderwütig

„Schmusehisli“ auf dem Harmersbacher Vesperweg, Bild: wanderwütig

Nicht mehr weit und ich erreiche die Kreuzsattelhütte auf rund 700 m ü. NN. Hier führt der Fernwanderweg Westweg vorbei. Die Kreuzsattelhütte ist für alle, die süße Sünden lieben, ein Muss. Außergewöhnlich leckere Kuchen gibt es hier oben – so viele verschiedene, dass mir die Entscheidung schwer fällt. Ich bin derart begeistert, dass ich vor lauter Schlemmerei vergesse, Bilder vom zuckrigen Angebot zu machen. Auch Eltern mit Kindern finden in der Kreuzsattelhütte ein lauschiges Plätzchen zum Ausruhen, während sich die Sprösslinge draußen auf dem Spielplatz austoben können.

Harmersbacher Vesperweg, Bild: wanderwütig

Kreuzsattelhütte auf rund 700 m ü. NN auf dem Harmersbacher Vesperweg, Bild: wanderwütig

Nach rund einer Dreiviertelstunde laufe ich weiter und erreiche über den Westweg den Harkhof. Auch das eine Vesperstube, von der ich aber an diesem Tag nichts sehen werde. Das Wetter ist einfach zu schlecht, um jetzt noch das letzte Teilstück bis nach Riersbach weiterzuwandern und hier oben einzukehren. So entgeht mir der letzte Aussichtspavillon auf dem „Köpfle“, aber viel gesehen hätte ich ohnehin nicht. Ich steige in das Bus-Shuttle, das für diesen Tag extra am Harkhof eingesetzt wird, um den Weg zurück ins Tal abzukürzen. Rund 15 Minuten später bin ich wieder am Ausgangspunkt, der Tourist-Information in Oberharmersbach.

Harmersbacher Vesperweg, Bild: wanderwütig

Harmersbacher Vesperweg, Bild: wanderwütig

Bevor ich es vergesse: Verpasst habe ich wegen der Abkürzung auch noch ein weiteres „Hisli“, auf das ich in Riersbach gestoßen wäre: das „Brennhisli“. Nein, hier brennt es nicht, aber hier wird gebrannt, nämlich Schnäpse und Liköre. Wer nach so viel Genusswandern noch Kondition hat, kann hier auch auf kurzfristige Anfrage hin einen Einblick in die Welt des Hochprozentigen bekommen. Wem es allerdings lieber nach Abkühlung ist, findet diese im Freibad von Oberharmersbach. Aber dafür muss es erst einmal (wieder) Sommer werden.

Wanderweg-Fazit

Der „Harmersbacher Vesperweg“ ist zum Gehen nicht besonders schwierig. Er verläuft hauptsächlich auf Forstwegen und steigt insgesamt 490 Meter an. Das sollte auch für diejenigen machbar sein, die noch ungeübt im Wandern sind. Wer mit Kindern unterwegs oder schlecht(er) zu Fuß ist, kann bis zum Harkhof mit dem Pkw fahren und von dort zum Beispiel zur Kreuzsattelhütte wandern. Die Strecke ist durchweg gut beschildert, so dass ein Verlaufen sehr unwahrscheinlich ist.

Diejenigen, die den Schwarzwald noch nicht kennen, bekommen auf dem „Harmersbacher Vesperweg“ den perfekten ersten Eindruck davon. Eine typische Schwarzwald-Landschaft mit weiten Ausblicken und saftigen Wiesen. Die über den Weg verteilten Sitzgelegenheiten bieten allesamt ein hochkarätiges Schwarzwald-Panorama, das sich unweigerlich im Kopf festsetzt. Hier wird der Schwarzwald so richtig in Szene gesetzt.

Ein Alleinstellungsmerkmal des „Harmersbacher Vesperwegs“: Man braucht sich nicht den Kopf zu zerbrechen, was man an Proviant mitnimmt. In den Vesperstuben am Wegesrand lässt sich der Rucksack mit allerlei Schwarzwälder Gaumenfreuden füllen. Es wäre ein törichter Fehler, es nicht zu tun.

Merken

Schwarzwälder Genießerpfade

Die Schwarzwälder Genießerpfade sind 6 bis 18 Kilometer lange Premiumwege, die für Wanderer zusätzlich noch besondere Genusserlebnisse bereithalten.

Kreuzsattelhütte Oberwolfach - am Fernwanderweg Westweg

mit Waldspielplatz

Geeignet für:
Wanderer, Mountainbiker und Sonntagsausflügler.

Geöffnet:
1. Mai bis Ende Oktober an allen Sonn- und Feiertagen.

Vesperstube Harkhof

Übernachtung möglich in Mehrbettschlafräumen oder in der Ferienwohnung.

Mit vielen Ausflugsmöglichkeiten zum Beispiel zum Barfußpark, zur Glasbläserei, Sommerrodelbahn und verschiedene Museen (Freilicht, Modell-Eisenbahn).

Danises Hofladen

Hofladen und Probierstube

mit Spielplatz und Stall

Im Angebot:
Portionsplatten oder Kleines Vesperbrett

Rind- und Schweinefleisch aus eigener, wöchentlicher Herstellung, Schnäpse, Liköre und Honig von örtlichen Erzeugern.

Probierstube geeignet für:
Firmenfeier, Wandergruppe, Busreisen (15 bis 52 Personen)

über

David Wolf ist Bergwanderer, Bergsteiger, Trekking-Fan und ausgebildeter Berg-Wanderleiter (DAV). Kurz nach dem Abi hat er sich auf einer Bergtour um den Königssee den Berg-Virus eingefangen. Der Berg-Virus ist immer noch da, und wird so schnell nicht wieder verschwinden. Aus seiner Begeisterung für die Berge ist schon lange Leidenschaft geworden.

Wenn David Wolf nicht in den Alpen herumkraxlt, zieht es ihn nach Mallorca ins Tramuntana-Gebirge, in den Schwarzwald, den Pfälzerwald oder die wilden, einsamen Vogesen. Überall, wo er die Bergstiefel anziehen kann, fühlt er sich wohl. Sein Motto: Hauptsache draußen!

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