BewegungsReich

Roller Derby – mehr als ein Sport

re:belle #84 als Jammerin beim Bout rocKArollers vs. deltaquads

Sie rennen Kopf an Kopf gegeneinander an, blocken den Gegner hart, stoßen sich voneinander ab und springen weit über die anderen hinweg – alles auf Rollschuhen. Schläge ins Gesicht oder gar übereinander herfallen ist nicht erlaubt. Roller Derby heute ist damit nicht ganz so brutal wie im Film „Roller Girl“ dargestellt.

Dennoch: Roller Derby ist ein schneller, agiler Vollkontaktsport und sieht mitunter derb aus. Daher tragen alle Spielerinnen eine Schutzausrüstung inklusive Mundschutz. Der Frauensport kommt aus den USA. Aber auch Männer spielen Roller Derby, Men’s Roller Derby.

Inspiriert vom Sechstagerennen im Bahnradsport organisierte der Sportpromoter Leo A. Seltzer 1935 das erste Rennen in den USA. Ziel: 57.000 Runden auf einer ovalen Bahn. Wer als Team durchhielt und als letztes auf der Bahn stand, hat gewonnen. Diese Art Roller Derby starb schließlich aus, weil die Skaterinnen und Skater der hohen sportlichen Belastung sowie den harten Hits nicht standhielten.

In den 1940er bis 1970er Jahren lebte Roller Derby dann in den USA mit überarbeiteten Regeln wieder auf. Der Showcharakter blieb und führte 50.000 Fans in die Stadien.

Roller Derby entstand um die Jahrtausendwende neu

Die Regeln, nach denen Roller Derby heute großteils gespielt wird, entstanden um die Jahrtausendwende. Die Idee hatten Frauen, von denen viele aus der Punk-Szene kamen und die Frauenbewegung unterstützen. Die Women’s Flat Track Derby Association (WFTDA) wurde schließlich 2004 gegründet und Roller Derby fand von nun an organisiert statt.

2006 kam der Teamsport erstmals nach Deutschland. Die Stuttgart Valley Rollergirls gründeten den ersten Roller Derby Verein Deutschlands und sind derzeit amtierende Deutsche Meister. Seit 2015 gibt es in Deutschland einen Bundesliga-Spielbetrieb, an dem auch das Karlsruher Team, die rocKArollers, teilnehmen. Die League Roller Derby Karlsruhe ist eine Abteilung des SSC Karlsruhe e.V.

Im Roller Derby ist bis zum Schluss alles möglich

Hohe Punktunterschiede zwischen den Teams sind nicht selten. Das heißt für das Publikum: Spannung bis zum Schluss. Denn für die Spielerinnen bedeutet jeder Jam (Spielzug) eine neue Chance, Punkte zu machen. Diese Einstellung gibt den Spielerinnen Kraft, sich nicht nur im Spiel durchzubeißen, sondern dieses Mindset auch im Alltag anzuwenden.

Ein anders Beispiel für das besondere Mindset, das Roller Derby fördert: Die blauen Flecke vom Training werden als „Derby Kisses“ bezeichnet und stolz präsentiert. Viele Aktive erzählen, wie der Sport ihr Leben verändert hat – auch weil er das positive Denken fördert. Die Community setzt sich dafür schließlich gezielt ein und vertritt aktiv Werte wie Gleichberechtigung, Toleranz, Teilhabe und Vielfalt. Es heißt nicht umsonst „Roller Derby can change the world“. Und danach fühlt es sich auch tatsächlich an.

Was ist Roller Derby?

Roller Derby ist ein Vollkontaktsport, der auf Quad Rollschuhen gespielt wird. Es gibt weder Ball noch Schläger. Gespielt wird auf einer flachen, ovalen Bahn (Flat Track). Auf dem Track treten je fünf Spielerinnen aus beiden Teams gegeneinander an: Eine Jammerin und vier Blockerinnen. Die Jammerin ist an dem Stern auf der Helmhaube erkennbar. Sie macht die Punkte. Ziel des Spiels ist es, durch Überrunden der Gegnerinnen möglichst viele Punkte zu machen und gleichzeitig die gegnerische Mannschaft durch Blocken am Punkte machen zu hindern.

Ein Spiel gliedert sich in zwei Halbzeiten (Period) à 30 Minuten und ist in einzelne Spielphasen (Jams) à zwei Minuten unterteilt. Es gibt viele Regeln zu beachten. Wer dagegen verstößt, bekommt eine Strafzeit (Penalty) und muss direkt nach dem Verstoß für 30 Sekunden in der Penalty Box sitzen. Solche Regelverstöße können am Ende den Sieg kosten. Der Showcharakter zeigt sich heute noch in den Kampfnahmen sowie dem kreativen Aussehen aller Beteiligten. Kurz: Roller Derby ist sehr physisch, aber auch strategisch und teamorientiert. Das Besondere an diesem Sport ist, dass alle ihren Platz finden, wenn sie wollen. Selbst ohne skaten zu können oder zu wollen.

Roller Derby ist wie eine Metapher für das Leben

In dem Sport zählen Erfahrung und gutes Regelwissen neben guten Skatingskills. Aber auch das strategische Zusammenspiel und die Kommunikation untereinander sind sehr wichtig für ein gutes Spiel. Dabei müssen alle Beteiligten, also vor allem die Officials, stets den Überblick behalten – und zwar während in hohem Tempo gespielt wird. Die Spielerinnen müssen sich immer wieder neu einer Situation stellen und eine hohe Frustrationstoleranz, aber auch Ausdauer und Biss haben. Gerade diese Herausforderung empfinden viele Skaterinnen als sehr reizvoll an Roller Derby.

Bilder: Jürgen Ziegler, Olivier Vax

Wann spielen die rocKArollers wieder?

7.7.2018
RocKAroller vs. Zombie Rollergirlz (Münster)
in der Rheinstrandhalle Karlsruhe/Daxlanden

29.9.2018
RocKArollers vs. Riot Rollers (Darmstadt)
im Eisstadion am Friedrichspark Mannheim

03.11.2018
Bashlorettes (Kassel) vs. RocKArollers
in Kassel

Mehr Infos?

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Mach mit!

Komm vorbei zum nächsten Schnuppertraining am:
08. Juni
15. Juni
von 20.30 bis 22 Uhr
in der Rheinstrandhalle, Lindenallee 12 in 76189 Karlsruhe.

Probier‘ Roller Derby aus!
Leihmaterial stellen wir dir gerne zur Verfügung.
Vor allem das neu gegründete Männerteam freut sich auf Fresh Meat.

Was begeistert dich an Roller Derby?

Was bedeutet Roller Derby für dich?

Effi Biest #1896

Roller Derby Karlsruhe: Effi Biest #1896

Roller Derby Karlsruhe: Effi Biest #1896

Immer wieder aufzustehen, wenn man hinfällt – um schließlich über sich selbst hinauszuwachsen.
An die eigenen körperlichen (und bisweilen mentalen) Grenzen zu gehen. Zu erfahren, was alles möglich ist, wenn man dafür arbeitet.
Den Teamgeist, die weltweite Community, die mit dem Sport verbundenen Werte und Einstellungen.
Die furchtbar großartigen Menschen, die ich ohne diesen Sport nie kennengelernt hätte.
Und die Rollschuhe natürlich.

Roller Derby Karlsruhe: Sheik Herbouti #23

Roller Derby Karlsruhe: Sheik Herbouti #23

Sheik Herbouti #23

Im Derby kann jede*r einen Platz für sich finden. Egal ob als Official, Announcer, Supporter auf der Tribüne oder in einem spielenden Team. Das gefällt mir sehr gut.

Außerdem liebe ich den Körpereinsatz und dass auch der Kopf gefordert ist.
Als Official mag ich das Reisen und dass man überall auf nette Leute trifft.

re:belle #84

Roller Derby Karlsruhe: re:belle #84

Roller Derby Karlsruhe: re:belle #84

Für mich war es Liebe auf den ersten Blick. Als ich zum ersten Mal ein Spiel sah, wusste ich: Das will ich auch machen. Das Spiel war spannend und unterhaltsam.
Dieser Sport fasziniert einfach. Auf der einen Seite sehr herausfordernd – ich bin noch nie so körperlich und mental an meine Grenzen gekommen. Andererseits hat der Sport eine politische Botschaft, ist basisdemokratisch organisiert und sehr kreativ und frei.
Es macht einfach Spaß, dieses Spiel immer mehr zu beherrschen und es strategisch zu verstehen.
Und natürlich das Rollschuh fahren, das ich als Kind begann und viele Jahre als Sport für mich entdeckt hatte.

Roller Derby Karlsruhe: Steißkerl #999

Roller Derby Karlsruhe: Steißkerl #999

Steißkerl #999

Der Sport,
das physische,
die Athletik,
die Auswirkungen auf den eigenen Körper.

Die Gemeinschaft, Spaß mit Menschen von überall und überall.

Ich kann immer wieder neue Ausrüstung kaufen 😀

Roller Derby Karlsruhe: Check Sparrow #1337

Roller Derby Karlsruhe: Check Sparrow #1337

Check Sparrow #1337

Roller Derby ist ein Sport für Außenseiter.

Ein Sport für Menschen, die noch nie Sport gemacht haben.

Ein Sport, der dir zeigt, zu was du alles imstande bist.

Ein Sport, der dir zeigt, was du erreichen kannst, wenn du es nur genügend willst.

Roller Derby Karlsruhe: Scarylin Manson #156

Roller Derby Karlsruhe: Scarylin Manson #156

Scarylin Manson #156

Derby spielen macht selbstbewusst und motiviert dazu, sich selbst immer weiter zu pushen.

Roller Derby hat mich (als stinkfaulen Sportmuffel) dazu gebracht, das Training lieben zu lernen!

Außerdem: Was ist bitte besser, als auf Rollschuhen andere Menschen vom Track zu blocken?!

Mehr lesen zu und über Roller Derby

Roller Derby Karlsruhe

Anette Rößler liebt es, viel zu wissen. Bücher sowie guter Journalismus waren daher schon immer ihre Leidenschaft. Mit dem Internet lässt sich Wissen gut vernetzen, aber auch als unerschöpfliche Wissensquelle nutzen und teilen. Die Themen Natur und Nachhaltigkeit, Ernährung und Sport, Gesellschaft und Politik, Medien, Kommunikation und Digitalisierung liegen der Diplom-Sozialwissenschaftlerin und Diplom-Journalistin (FJS) am Herzen. Anette Rößler hat zwei Kinder.

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