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„Ohne Hunde ist alles doof“

Ralf Haitz betreut mit "Ralfs mobile Tierbetreuung" bis zu zehn Hunde gleichzeitig

Ralf Haitz hat mit „Ralfs mobiler Tierbetreuung“ vor fünf Jahren sein Hobby zum Beruf gemacht. Unterwegs mit einem Hundebetreuer und Hundeführer aus der Karlsruher Nordstadt.

Podenco-Mix Hündin Bria saust mit dem deutschen Pinscher Cato im Kreis durchs Gehölz. Cocker-Mix Lio steigt in das Fangspiel mit ein. Rocky, ein alter Kelpie-Rüde, streunt derweil durchs Geäst mit der wolfsähnlichen Husky-Dame Kala, dem Irish Terrier Finnley (Spitzname der „Bremser“), Golden Retriever-Mix Max und Akita Inu-Hündin Kimiko. Einige markieren ihr Revier.

Solche Szenen spielen sich an den Nachmittagen in einem kleinen Waldstück zwischen Tennesseeallee und Willy-Brandt-Allee in der Karlsruher Nordstadt ab. Der Hain gehört zum Hardtwald und bietet sich in der 300.000 Einwohner zählenden Stadt gut für den Auslauf einer Hundegruppe an. Nach dem kurzen Stop leint Ralf Haitz alle Hunde einer nach dem anderen wieder an. Der 43-Jährige mit kräftiger Statur mittlerer Größe ist seit fünf Jahren selbstständiger Hundebetreuer. Nach mehreren beruflichen Stationen als Elektroinstallateur, LKW-Fahrer und später Veranstaltungskaufmann, kann er sich nicht mehr vorstellen, in einem Büro zu arbeiten. Sein Rückenleiden hat seine Berufspläne ohnehin durchkreuzt. Durch Zufall kam Ralf Haitz auf die Idee einer Hundebetreuung. Die Idee kam ihm, nachdem er den American Staffordshire Terrier seines Freundes, ein gelisteter Kampfhund, über längere Zeit aufgrund einer Krebserkrankung betreute. Dabei erzog der heutige Hundebetreuer den Hund so, dass sein Herrchen seinen besten Freund nicht mehr wiedererkannte – der Kampfhund war ruhiger und gehorchte allen Anweisungen. Jetzt verbringt Ralf Haitz viel Zeit draußen. Wenn er von seiner Tour mit den Hunden zurück an den Anfang der Tennesseeallee kommt, stehen Herrchen und Frauchen schon bereit, um ihre Vierbeiner zu empfangen.

Bis zu zehn Hunde werden in der Hundetagesstätte betreut

Wer seinen Hund aus beruflichen Gründen nicht mehrere Stunden alleine zu Hause lassen möchte, verreist ist oder wegen einer Familienfeier keine Zeit hat, bringt seinen Hund zu Ralf Haitz. „Ralfs mobile Tierbetreuung“ ist eine Huta, eine Hundetagesstätte. Bis zu zehn Hunde gleichzeitig darf Ralf Haitz laut Tierschutzgesetz am Tag betreuen. Die Kosten für einen Tag liegen bei 19 Euro ohne Futter. Eine Betreuung mit Übernachtung kostet 25 Euro, eine Betreuung am Wochenende ebenfalls 25 Euro pro Tag. Etwa 30 Tageshunde zählen mittlerweile zu Haitz‚ treuen Klienten. Er betreibt eine Hundetagesstätte mit Tierpension und ist auch beratend tätig. Ralf Haitz ist ein Dogwalker, Hundebetreuer, Hundetrainer und Hundetherapeut, wobei keiner dieser Berufsbezeichnungen geschützt ist. Gleich mehrere Verbände bemühen sich um eine Zertifizierung in diesem Bereich: Der Berufsverband der Hundeerzieher/innen und Verhaltensberater/innen e.V. (BHV) und der Berufsverband der Hundebetreuer und Dogwalker (BHD). Schließlich gibt es bundesweit mehr als 2.000 ausgewiesene Tierpensionen und Tierhotels. Die Anzahl der Hutas wird bundesweit auf 150 bis 200 geschätzt. So das Ergebnis einer Studie zur wirtschaftlichen Bedeutung der Heimtierhaltung von 2014 der Volkswirtin Renate Ohr von der Universität Göttingen.

„Hunde wollen geführt werden“

„Rudelführer“ steht auf dem schwarzen T-Shirt, das Ralf Haitz anhat. In legerer Kleidung spaziert er mit acht angeleinten Hunden großer Hunderassen durch den Stadtteil. Seine Erscheinung prägt das Stadtbild, weil die Gruppe kaum zu übersehen ist. Immer vorneweg: Der Rudelführer. Denn in einem Rudel sei es wichtig zu zeigen, wer führt. Der Hundebetreuer weiß, „dass Hunde geführt werden wollen.“ Das mache sie glücklich. Und wenn die Hunde hinter dem Dogwalker laufen, erkennen sie an, dass er der Anführer ist. Gerade diese Kompetenz schätzen auch seine Kunden. Vor allem soziales Verhalten lernten die Hunde bei Ralf, weil er sie als Gruppe halte, erzählt einer der Kunden. Die Hunde entwickelten sich gut, sie hörten besser und seien ausgeglichener. Die Erziehung sei rundum positiv. „Rudelführer! Das, was auf seinem T-Shirt steht, ist Programm“ beschreibt Kalas Herrchen den Service. Und Rockys Frauchen ergänzt: „Auf Ralf hören sie alle.“

Hunde brauchen konsequente Erziehung und rassespezifische Beschäftigungsangebote

Von der Nordstadt aus läuft Ralf Haitz jeden Morgen mit den Hunden rund 1,2 Kilometer in die Heide in seinen 650 Quadratmeter großen, umzäunten Garten und verbringt dort den Vormittag. Die Hunde tollen herum und markieren überall ihr Revier. Gegen Mittag geht das Rudel zurück in Ralf Haitz‘ 83 Quadratmeter große Mietwohnung, wo sich die Tiere ausruhen bis es am Nachmittag wieder raus geht. Beim Gassi gehen hört das Gespann auf jede Anweisung – nur die neu aufgenommenen Hunde müssen sich noch an das Einhalten der Regeln gewöhnen. Kommt eine Radfahrerin oder ein anderer Hundehalter entgegen, weist Ralf Haitz das Rudel an, Platz zu machen. Hier ist die Kommunikation zwischen den Hundehaltern für das gegenseitige Abstimmen (wer läuft zuerst), aber auch die Kommunikation zu den eigenen Hunden wichtig: Zu ihrem Rudelführer kommen die Hunde nach einem Pfiff, ein Schnipsen und sie setzen sich hin und warten bis sie das Signal zum Weitergehen hören. Die Anweisungen hat der Hundeführer mit den Vierbeinern in seinem Garten trainiert. Er nutzt dazu Laute wie „Gscht“, seine Hände zum Zeigen oder Berührungen an Hals oder Hüfte des Hundes. Eine konsequente Erziehung und rassespezifische Beschäftigungsangebote sind Ralf Haitz wichtig. Damit ein Hund betreut werden kann, muss er geimpft und haftpflichtversichert sein. Die Nachweise darüber ergänzen den Pflegevertrag.

„Jeder Hund kann erzogen werden“

Wenn Ralf Haitz beratend tätig ist, trifft er manchmal auf Klienten, bei denen bereits mehrere Hundetrainer und Hundetherapeuten versagt haben. Das Problem liege oft darin, dass die meisten Hundeführer vom Hund geführt werden. Etwa wenn ein Hund Frauchen in der Wohnung verfolgt oder bei jedem Klingeln bellend an die Tür rennt – um zu kontrollieren. „Jeder Hund kann erzogen werden“, findet Ralf Haitz. Er führt vor, wie er Hunden beibringt, an der Leine hinter ihm zu laufen. Weil er die Hunde führe, klappe es auch so gut im Rudel. Sollte ein Hund beispielsweise von den anderen gemobbt werden, greift der Hundeexperte ein. Die wenigsten Hundehalter wissen übrigens, dass jede Hunderasse andere Merkmale und Charakterzüge habe. Deshalb gilt: „Der Hund muss zum Menschen passen.“ Davon ist Ralf Haitz überzeugt. Es gebe Rassen, die körperlich oder geistig oder beides beansprucht werden wollen. Wenn Frauchen oder Herrchen das nicht bieten können, sind die Hunde nicht ausgelastet. Es gebe sogar Hundetherapeuten, die den Tieren Antidepressiva verschreiben oder Tabletten, die sie ruhiger machen. Das sei nicht nötig, wenn die Hunde den Ausgleich bekommen, den sie brauchen. „Ralfs mobile Tierbetreuung“ gibt den Tieren deshalb ausreichend Platz und bietet ihnen viel Bewegung – mit und ohne Leine.

Ralf Haitz träumt von einem Mensch-Therapie-Zentrum

Das Zusammenleben von Hund und Mensch ist Ralf Haitz wichtig. Deshalb hat er Bekannten auch schon erfolgreich geholfen, die Angst vor Hunden zu nehmen. Weil auch die Nachfrage nach Hundebetreuung ungebrochen und Ralf Haitz weiter sein Hobby als Beruf ausüben möchte, träumt der Hundebetreuer von etwas Größerem. Er wünscht sich ein Haus mit Garten, in dem er die Hunde betreuen kann. Außerdem träumt er von einem Hund-Mensch-Therapie-Zentrum, das er gerne mit seiner Frau Stefanie Haitz verwirklichen möchte. Die beiden würden sich ergänzen, da Stefanie Haitz Heilpraktikerin für Psychotherapie ist und Erfahrung mit therapeutischen Behandlungen hat. Sollte das Paar mit dem 16-Jährigen Sohn Leon ein passendes Objekt in Karlsruhe finden, wäre das Mensch-Therapie-Zentrum die logische Konsequenz von Ralf Haitz‘ Haltung „Ohne Hunde ist alles doof.“

Wenn die Hunde nach dem nachmittäglichen Gassi gehen abgeholt werden, warten Frauchen und Herrchen schon vor Ralf Haitz‘ Wohnung, während auch die Kinder des Hauses zu den Hunden laufen und sie streicheln wollen. Alle tauschen noch die tagesaktuellen Informationen aus (hat der Hund sein Geschäft gemacht?) bis alle Hunde nach Hause gehen. Rocky und Finnley gehen allerdings nicht, bevor sie ihren Rudelführer nicht wenigstens ein Mal als Dank abgeschleckt haben.

Wie es zu dieser Reportage kam

Die Reportage ist entstanden im Rahmen meines Fernstudiums Journalismus an der Freien Journalistenschule Berlin. Die Reportage erscheint außerdem in der Nordstadt-Zeitung, bei der ich ehrenamtlich mitarbeite.

Idee für die Reise ohne Hund

Ralfs mobile Tierbetreuung

Ralf Haitz betreut Ihren Hund tage- und wochenweise, über Nacht und am Wochenende in der Karlsruher Nordstadt.

Idee für Kindergärten - mit Hund

Therapie–Begleithunde im Kindergarten

Im Kinder- und Familienzentrum im Hardtwaldzentrum begleiten zum Beispiel die beiden Hunde Kalle (Havaneser) und Ilaila (Golden Retriever) die Kinder in ihrem Alltag. Der eine Kindergartenhund in Ausbildung, die andere Therapie–Begleithündin. Die Kinder erzählen begeistert von den Hunden und lernen, wie sie Hunden respektvoll begegnen. Soziale Kompetenz und Selbstwirksamkeit werden geschult.

Zitate: Hunde

Der Hund ist ein Begleiter,
der uns daran erinnert,
jeden Augenblick zu genießen.
(Marla Lennard)

Wir schenken unseren Hunden ein klein wenig Liebe und Zeit.
Dafür schenken sie uns restlos alles, was sie zu bieten haben.
Es ist zweifellos das beste Geschäft, was der Mensch je gemacht hat.
(Roger A.Caras)

Sei meines Hundes Freund, und Du bist auch der meine.
(Indianisches Sprichwort)

Hunde haben alle guten Eigenschaften des Menschen,
ohne gleichzeitig ihre Fehler zu besitzen.
(Friedrich II., der Große)

Hunde leben nur in der Gegenwart,
haben keine Angst vor der Zukunft und hadern nicht mit der Vergangenheit.
(Amy Tan)

Je besser ich die Männer kenne,
desto lieber mag ich Hunde.
(Anne Louise Germaine de Staël)

Wenn ein Hund nur darf wenn er soll,
aber nie kann wenn er will,
dann mag er auch nicht wenn er muss!
Wenn er aber darf wenn er will,
dann mag er auch wenn er soll,
und dann kann er auch wenn er muss…..
Denn…..Hunde die können sollen,
müssen wollen dürfen….!!!
(Graffiti U-Bahnhof Berlin)

Kinderbuch-Idee

Der Hund mit dem gelben Herzen von Jutta Richter

Jutta Richter: Der Hund mit dem gelben Herzen – oder die Geschichte vom Gegenteil
Hanser Verlag, 2015
Fester Einband, 112 Seiten
empfohlen ab 10 Jahren
€ 12,90 [D], € 13,30 [A]

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