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Lebensbalance als Lebenskunst Teil II

Kontakt © Franz J. Schweifer

In Teil I des Beitrags Lebensbalance als Lebenskunst greift Dr. Franz J. Schweifer erhellende Hintergründe und Widersprüche im Zusammenhang von „Work & Life“ auf und fragt nach dem „Was nun?“. Teil 2 bringt mehr Licht in den vieldeutigen wie missverständlichen Begriff „Work-Life-Balance“ und erläutert die „Vier Qualitäten des Lebens“. Ergänzt durch Anregungen für die Praxis.

Work-Life-Balance – ein Missverständnis?

Zunächst ein Präzisierungsversuch im Zusammenhang mit dem inflationären, teils missverständlichen und begrifflich unscharfen Diskurs rund um „Work-Life-Balance“.

(1) Der Begriff „Work-Life-Balance“ mag strittig sein. Weil er einerseits vordergründig suggeriert, es würde sich um den notwendigen Ausgleich von Gegensätzen handeln. Begleitet von Kommentaren wie: „Leben tun wir ja doch immer!“ oder „Lebe ich etwa nicht, wenn ich arbeite?“

Und weil er anderseits teils unzulässig verkürzt wird, etwa auf Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dabei wird übersehen, dass Work-Life-Balance alleine je nach Ziel- und Altersgruppe auf ganz anderen Parametern beruhen kann.

(2) Work-Life-Balance ist nicht als unversöhnliches Gegensatzpaar zu verstehen, das nur aus „Arbeit“ und/oder „Leben“ besteht. Vielmehr weist der Begriff auf die Notwendigkeit bzw. Sinnhaftigkeit eines dosierten Ausgleichs hin. Etwa dort, wo Gesundheit oder Beziehungen aus dem Ruder laufen, weil „Leben“ nur noch aus „Arbeit“ besteht.

Es geht um Work AND Life, nicht um Work VERSUS Life. Work-Life-Balance lässt sich nicht auf Dualitäten wie „Arbeit – Leben“ oder „Arbeit – Freizeit“ reduzieren. Sie ist weit differenzierter. „Lebensbalance“ könnte deshalb zutreffender sein.

(3) Work-Life-Balance kann zum Beispiel auch ein gelungenes Verhältnis der Lebenssphären von Erwerbsarbeit und Nicht-Erwerbsarbeit oder außerberuflicher Aktivität abbilden. Oder von Be- und Entschleunigung („Bentschleunigung“). Ebenso spielt wohl nicht nur die rein quantitative Zeitdimension eine Rolle, sondern insbesondere die Qualität des subjektiven Erlebens und Gestaltens.

Die vier Qualitäten des Lebens

Der persische Arzt Nossrat Peseschkian hat schon vor vielen Jahren ein bis heute brauchbares Modell entwickelt. Für ihn bestanden die „4 Qualitäten des Lebens“ aus den Bereichen „Leistung“ (Beruf, Arbeit, materieller Wohlstand, etc.), „Körper“ (Gesundheit, Erholung, Ernährung, etc.), „Kontakt“ (Beziehungspflege, Familie, Freunde, etc.) und „Phantasie“ (Bereiche, die über unmittelbar materielle Dimensionen hinausgehen, Sinnfragen, Selbstverwirklichung, etc.).

Die Lebensbereiche stehen dabei nicht in Konkurrenz zueinander, sondern bilden ein wechselseitiges Kontinuum. Und „Balance“ ist dabei kein stabiler Zustand, sondern ein dynamischer Prozess.

© Franz J. Schweifer

© Franz J. Schweifer

Lebensbalance in der Praxis

In der Praxis kann das „Lebensbalance“-Modell eine wertvolle Reflexionskrücke sein. Zur Anregung ein Beispiel, das die subjektive Zufriedenheit im Fokus hat: Wenn Sie die vier Qualitäten betrachten – wie zufrieden sind Sie mit den einzelnen Lebensbereichen? Und was schließen Sie daraus?

0 = überhaupt nicht 🙁
10 = total zufrieden 🙂

Eine alte persische Lebensweisheit mag Anreiz sein, dort erste oder weitere Schritte zu setzen, wo es nottut:

„Es ist nie zu früh oder zu spät,
es ist immer nur höchste Zeit.“

Persische Lebensweisheit

Apropos: Wofür ist es bei Ihnen „höchste Zeit“?

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Tempo all’arrabbiata: Kritische Zeitenblicke eines Temposophen. Eine Zeit-Anthologie für Querdenker

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€ 29,90 [D]

Der Zeitforscher, Buchautor und FH-Lektor Franz J. Schweifer ist Inhaber der „ManagementOASE. Coaching. Training. Consulting.“ in Mödling b. Wien. Als Berater und „Temposoph“ beschäftigt er sich vor allem mit den Themen Zeit, Achtsamkeit, Selbstmanagement und Selbstführung, Resilienz, Stress, Werte- und Generationenmanagement. Dazu leitet er auch Seminare und Workshops. Einer seiner Leitsätze lautet: „Die Seele braucht Zeit – sonst schrumpft sie.“ Ebenso wie: „Die Zeit braucht Seele, sonst schrumpft sie.“