FacettenReich

Aphorismen – aus der ZEIT

Je emanzipierter und moralischer eine Gesellschaft, desto niedriger und gemeiner die Vorurteile, die sie produziert, um ihre Konflikte austragen zu können.

Jens Jessen: Die Macht der Vorurteile; in: Die Zeit, 11.02.2016 No. 7

Denn wenn man darüber nichts schriebe, könnte der Eindruck entstehen, diese Untätigkeit beruhe auf der Ansicht, es sei darüber schon mehr als genug geschrieben worden, was aber nicht sein kann, weil bei Weitem noch nicht jeder und jede alles und zu jedem Zeitpunkt darüber gesagt hat, was er oder sie nun gut oder schlecht findet an dem, was die anderen gesagt, und wenn schon nicht nicht gesagt, dann jedenfalls nicht geschrieben haben. Sehr wichtig ist auch darüber zu sprechen, worüber die anderen nicht gesprochen haben, oder jedenfalls nicht, als sie hätten sprechen sollen, oder nicht so, wie sie hätten sprechen sollen, wenn sie denn gesprochen hätten. Da sie aber nicht gesprochen haben, also nicht dann, wann sie hätten sprechen sollen, und als sie dann sprachen, nicht so, wie sie hätten sprechen sollen, also nicht nur darüber, warum sie nicht gesprochen hatten, sondern auch darüber, warum sie jetzt sprechen würden – also zu spät sprachen –, war alles vergebens.

Fischer im Recht / Kriminalität und Massenmedien: Kein „Mord wie jeder andere“ Eine Kolumne von Thomas Fischer auf Zeit Online, 13. Dezember 2016

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