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Alles „super“! Wie Lebensmittel gut verkauft werden – Mit Buchtipp zu gesundem Essen

Linsen aus dem Unverpackt in Karlsruhe

War euer Frühstück heute auch super? Und das Mittagessen? Glaubt man der Lebensmittelindustrie, sind bestimmte Lebensmittel super. Wird das Wort „Essen“ (wie langweilig) dann noch durch „food“ ersetzt, wird ein Kassenschlager draus. Schon Oma wusste, dass Grünkohl und Spinat gesund sind. Nur überzeugt man mit dem Label „Gesund“ offensichtlich nicht so leicht. Deshalb haben sich Marketingagenturen den Begriff „Superfood“ überlegt, und siehe da – Chiasamen, Gojibeeren, Avocados oder Grünkohl lassen sich so viel besser verkaufen.

Superfood in Form von Supermüsli, Superfoodriegel oder Superfoodpulver ist nicht nur teurer als vergleichbare Lebensmittel, auch der Absatz ist höher. Schließlich wird mit dem super Essen ein super Image verkauft. Ob die Marketing-Leute durch Popeye, den Seemann, auf die Idee mit dem Superfood gekommen sind? Jedenfalls kam eine Studie mit Kindern der Uni Mahidol in Bangkok zu dem Schluss, dass das Ansehen von Popeye-Filmen zu einem doppelten Konsum von Gemüse führt. Denn Popeye steht bis heute für den einfachen Zusammenhang „Spinat bringt Eisen, und Eisen bringt Kraft“. Auch wenn heute bekannt ist, dass Spinat nicht so viel Eisen enthält wie früher durch einen Rechenfehler angenommen, hält sich dieses Gerücht weiter hartnäckig. Popeye hat also bereits in den 1930ern gutes Influencer-Marketing betrieben.

Superfood ist ein Trend und wird wie die meisten Trends wieder abflauen. Aber immerhin hat dieser Trend etwas Gutes: Wie nach den Popeye-Filmen wird im Kopf der Konsumenten sicher hängen bleiben, welche Lebensmittel gesund sind – auch wenn die Wirkung übertrieben dargestellt ist. Und wer annimmt, dass dieses Essen super viel bewirkt, fühlt sich womöglich auch super.

Quelle

Artikel "Kann diese Superfrucht lügen?"

Fim-Idee

Popeye - Der Seemann mit dem harten Schlag von Walt Disney mit Robin Williams & Shelley Duvall

Buch-Idee

64 Grundregeln ESSEN von Michael Pollan

64 Grundregeln ESSEN
Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte
Michael Pollan (Autor), Rita Höner (Übersetzerin)
Goldmann Verlag, 2011
Taschenbuch, 160 Seiten
€ 7,99 [D], € 8,30 [A]

Über das Buch

Über das Buch „64 Grundregeln ESSEN“ hat die „New York Times“ geschrieben, dass es alle Diätkochbücher ersetzen kann. Genauso ist es.

Wer die einfachen Regeln des amerikanischen Journalisten und Autor vieler Sachbücher zum Thema Ernährung befolgt, braucht weder eine Diät zu machen noch Diätkochbücher. Es geht Michael Pollan vor allem darum, gesund zu essen und weniger ungesunde und verarbeitete Produkte unserer Lebensmittelindustrie.

Einige von Michael Pollans Tipps bezüglich Zutaten:

  • Esst nichts, was nicht auch eure Oma oder euer Opa als Lebensmittel akzeptiert hätte.
  • Esst wenig Lebensmittel, die Zutaten enthalten, die ihr gewöhnlich nicht in der Küche habt.
  • Keine Lebensmittel-Produkte mit mehr als fünf Zutaten.
  • Keine Lebensmittel-Produkte, deren Zutaten ein Grundschulkind nicht aussprechen kann.
  • Esst Lebensmittel-Produkte, deren Zutaten ihr euch unverarbeitet oder in der Natur wachsend vorstellen könnt. Wie zum Beispiel sieht der Emulgator Lecithin oder die Zutat E-156 (irgendein Farbstoff) aus?
  • Esst kaum Lebensmittel, bei denen eine Form von Zucker als eine der drei wichtigsten Zutaten genannt wird, also in der Zutatenangabe des Produkts ganz weit vorne steht. Außer natürlich, ihr habt etwas zu feiern und esst Kuchen oder eine andere Süßigkeit. Daher gibt es auch die Faustregel: „Snacks, Süßigkeiten und Nachschlag nur an Tagen, die mit S anfangen.“ Zu Zucker ist noch zu sagen: Die Lebensmittelindustrie hat sich stark dafür eingesetzt, dass Zucker mittlerweile in vielen Lebensmitteln enthalten ist, von denen man das noch nicht mal erwartet. Aus Sicht der Lebensmittelindustrie macht das Sinn, weil Zucker süchtig macht. Damit undurchsichtiger ist, wo Zucker drin ist, hat die Industrie verschiedene Formen von Zucker entwickelt. So können Konsumenten am Namen nicht unbedingt erkennen, dass es sich um Zucker handelt. Ein cleverer Schachzug, der allerdings dazu beiträgt, dass die Menschen zunehmend dick und krank werden. Pollan schreibt, dass rund 40 Arten von Zucker verwendet werden. Dazu gehören zum Beispiel die Zuckerarten Gerstenmalz, Traubenzucker, Rübenzucker, Reissirup, Zuckerrohrsaft, Süßungsmittel auf Maisbasis, Dextrin, Dextrose, Oligofructose, Fruchtsaftkonzentrat, Glukose usw.

Einige von Michael Pollans Tipps bezüglich Essen allgemein:

  • Essen von Pflanzen sind ok, Essen aus Fabriken weniger.
  • Esst bunt, also vielfältig und von allem.
  • Esst die Tiere, die selbst gut gegessen haben. Am besten ist aber, wenn ihr Pflanzen Tieren vorzieht.
  • Essen, das überall auf der Welt gleich heißt, ist kein gesundes und natürliches Lebensmittel. Der Autor meint damit zum Beispiel Big Mac, Mars Riegel oder Pringles Chips.

Und weil die Industrie immer trickreicher vorgeht, können folgende Tipps sehr leicht befolgt werden, auch wenn man sich mit dem Thema Lebensmittel nicht so gut auskennt. Es geht um das Bewerben von Lebensmitteln:

  • Keine Lebensmittel-Produkte essen, die mit folgenden Labels auf der Verpackung werben: Gesund, light, fettarm oder fettfrei.
  • Keine Lebensmittel-Produkte essen, die im Fernsehen oder allgemein beworben werden. Denn wären die Lebensmittel gesund, müsste niemand für sie werben. Daher formulieren Marketing-Leute ja irgendwelche Versprechen wie zum Beispiel “die extra Portion Milch“ (Kinder-Riegel von Ferrero).

Merkhilfen aus dem Buch

„Snacks und Süßigkeiten nur an Tagen,
die mit S anfangen.“


„Es ist besser,
etwas zu essen, das auf einem Bein steht
(wie Pilze und Pflanzen),
als etwas zu essen,
das auf zwei Beinen steht (wie Geflügel),
und das wiederum ist besser,
als etwas zu essen, das auf vier Beinen steht
(wie Kühe oder Schweine).“


„Der erste Biss schmeckt am besten.“*


„Man muss den Sack zubinden,
bevor er ganz voll ist.“**


„Frühstücke wie ein König,
iss zu Mittag wie ein Edelmann
und am Abend wie ein Bettler.“


„Je weißer das Brot,
desto schneller bist du tot.“


„Nach dem Mittagessen sollst du ruhn,
nach dem Abendessen 1.000 Schritte tun.“


„Alles in Maßen. Auch das Maßhalten.“***


*Gesetz des abnehmenden Grenznutzens. Dieses Sättigungsgesetz besagt, dass wir langsam essen sollten, um das Essen mehr genießen zu können.

**Der Tipp von Pollan dazu bezieht sich auf eine Ernährungsform in der ayurvedischen Tradition Indiens. In einige Kulturen wird mit dem Essen aufgehört, bevor der Magen voll ist. Zum Beispiel in Japan, wo die Menschen überdurchschnittlich alt werden (»Buchtipp).

***Michael Pollan meint, dass auch die Regeln ab und zu gebrochen werden sollten. Denn dem Thema Ernährung sollte man entspannt begegnen. Das sei gesünder, als sich zwanghaft mit Ernährungsregeln zu beschäftigen.

Worum es in dem Buch geht

Die 64 Grundregeln gliedern sich in die Themenbereiche

  • Was soll ich essen?
  • Welche Art von Lebensmitteln soll ich essen?
  • Wie soll ich essen?

Engagement-Idee

Unterstützt den Verein Foodwatch

Foodwatch ist eine unabhängige Organisation, die sich für den Verbraucherschutz einsetzt und für eine verständliche Kennzeichnung von Lebensmitteln. Der Verein deckt Werbelügen auf und schließt ein Defizit der Politik. Denn leider versagt aus meiner Sicht die Politik im Bereich Lebensmittel, weil die Industrie gute Lobbyarbeit macht (also viel Geld für Lobbyarbeit ausgibt). Eine Steuer auf Zucker (gab es in Europa schon, sie wurde 1993 wieder abgeschafft) kann zum Beispiel helfen, die Ernährung der Bevölkerung zu steuern (eine Steuer von 20% rät auch die Weltgesundheitsorganisation). Auch eine Steuer auf Verpackung fände ich dem Umweltschutz zuliebe gut.

Unterstützt die Slow-Food-Bewegung

Die Organisation Slow-Food setzt sich für mehr Genuss beim Essen und einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln ein.

Anette Rößler liebt es, viel zu wissen. Bücher sowie guter Journalismus waren daher schon immer ihre Leidenschaft. Mit dem Internet lässt sich Wissen gut vernetzen, aber auch als unerschöpfliche Wissensquelle nutzen und teilen. Die Themen Natur und Nachhaltigkeit, Ernährung und Sport, Gesellschaft und Politik, Medien, Kommunikation und Digitalisierung liegen der Diplom-Sozialwissenschaftlerin und Diplom-Journalistin (FJS) am Herzen. Anette Rößler hat zwei Kinder.

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